Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Konzerns, will das "Springer-Tribunal" wieder eröffnen, das Studenten in Berlin 1968 nach seiner ersten Sitzung ergebnislos vertagt hatten. Aus diesem Anlass arbeitet Otto Köhler in der Jungen Welt detailliert die Geschichte der Berater des verstorbenen Verlegers auf und schreibt über Axel Springers engen Mitarbeiter Paul Karl Schmidt: "Nazi seit 1931, Träger des "Winkels für alte Kämpfer", hochrangiges Mitglied der SS und schließlich als Leiter des Presse- und Informationsamtes wichtigster Vertrauter von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop. Er organisierte in Konkurrenz zu Goebbels, aber nicht weniger fanatisch als der, einen eigenen Propagandaapparat und ein eigenes europaweites Verlagsreich des Auswärtigen Amtes." Im Spiegel "schrieb Schmidt (...) zeitgeschichtliche Serien, in denen er schon früh die Unschuld der Nazis am Reichstagsbrand propagierte. (...) Der braune Propagandafachmann (tauchte) dann unter dem neuen Namen Paul Carell als Serienautor der Springer-Illustrierten Kristall auf. Er beschrieb den unentwegt ehrenhaften Kampf des deutschen Landsers gegen Rußland. Aus den Illustriertenserien entstanden Bücher des springereigenen Ullstein-Verlags in Millionenauflage, die das Bild der Deutschen von einer sauberen Wehrmacht bestimmten. Zuletzt war dieser hocherfahrene Fachmann Redenschreiber und persönlicher Sicherheitsbeauftragter des Verlagsherrn. (...) Die Reden, die Carell-Schmidt entwarf, übernahm Springer oft unverändert. (...) Auch die Redepassage, die dazu auffordert, zwecks "deutscher Wiedergeburt in voller Freiheit" die "Aussöhnung mit den Juden und die Hilfe für Israel als Teil der richtig verstandenen eigenen Politik zu begreifen", hat Schmidt für Springer formuliert. Eben der fanatische Antisemit Paul Karl Schmidt, der 1944 zur Vorbereitung des Abtransports der Budapester Juden nach Auschwitz im Auswärtigen Amt vorschlug, man möge doch "Sprengstoffunde in jüdischen Vereinshäusern und Synagogen" arrangieren, damit das Geschrei im neutralen Ausland nicht so groß sei."
30. Juli 2009
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