Dezember 2011
Was der Bundespräsident in der Weihnachtsansprache wohl zu seiner sogenannten Finanzaffäre sagen wird? Spiegel Online macht Christian Wulff einen Vorschlag in Form eines vollständigen Redemanuskripts.
Die weite Welt des Ghostwriting, die hohe Kunst der Sprache: Hier finden Sie aktuelle Links, zusammengestellt von Thomas Östreicher, Redenschreiber in Hamburg. Anregungen und Meinungsäußerungen zu dieser Seite bitte an th.oestreicher@redenschreiber-hh.de - danke!
Dezember 2011
Was der Bundespräsident in der Weihnachtsansprache wohl zu seiner sogenannten Finanzaffäre sagen wird? Spiegel Online macht Christian Wulff einen Vorschlag in Form eines vollständigen Redemanuskripts.
November 2011
Junge Menschen üben sich zum Auftakt des Semesters an der Kinderuni der Stadt Weil in Rhetorik, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Preisfrage: Wer hat seine Forderung nach mehr Taschengeld am überzeugendsten vorgetragen?
Die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag (im Wortlaut dokumentiert unter anderem von der Welt), wird kontrovers diskutiert, etwa in der taz, der Frankfurter Rundschau, bei stern.de, in der Süddeutschen Zeitung, der FAZ und der Welt sowie bei evangelisch.de.
Juli 2011
Zum vierten Mal fand vom 25. bis 28. Juli 2011 im Düsseldorfer Landtag die von der NRW School of Governance organisierte Summer School statt. Vom dortigen Redenschreiber-Workshop gibt es ein Video auf YouTube.
Peinliche Hochzeitsreden kommen offenbar selbst in den prominentesten Familien vor: Die Rockmusikerin Alison Mosshart "hat mit einer langatmigen Festrede auf der Hochzeit von Kate Moss Braut und Gäste gelangweilt", meldet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Bericht des britischen Boulevardblatts Sun. "Die Bandkollegin von Bräutigam Jamie Hince habe peinliche Geschichten über den 42-Jährigen erzählt und Moss endlose Ratschläge erteilt, wie sie künftig ihren Mann zu behandeln habe. Die Gäste hätten Kates Bruder schließlich aufgefordert, den Mikrofonstecker zu ziehen." Die Braut habe fassungslos die Hände vor den Kopf geschlagen.
Mai 2011
"Das Schreiben für andere kann ein einträgliches Geschäft sein", verheißt die Mitteldeutsche Zeitung in einem Berufsporträt zur Profession des Redenschreibers und Ghostwriters.
Die öffentlich geäußerte "Freude" der Bundeskanzlerin über die Tötung Osama bin Ladens schlägt hohe Wellen. Wohl am schärfsten geht der Polit-Blog The European mit der Rednerin Angela Merkel ins Gericht: "Besser, verhauener, abgründiger geht es nicht; jedenfalls nicht auf der performativen Ebene."
"Es ist einer seiner größten Erfolge - doch jubeln darf er nicht: Wie US-Präsident Obama die Verkündung von Bin Ladens Tod zu einem Lehrstück für wortgewandtes Reden machte: So klingt heutzutage der militärisch-rhetorische Komplex." - Die Süddeutsche Zeitung über einen der meistbeachteten Redner unserer Zeit.
Necla Kelek schlägt in der Welt eine Rede vor, die der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan anstelle seiner Ansprache in Düsseldorf hätte halten sollen. Die andauernde Kontroverse um Erdogan, der gefordert hatte, dass türkische Kinder in Deutschland zuerst Türkisch lernen müssten, fasst die Berliner Morgenpost zusammen.
Die Mutmaßung, der Ex-Verteidigungsminister habe einen schlampigen Ghostwriter beschäftigt, ist nur ein Gerücht, aber Anlass genug für Spiegel Online, sich wieder einmal mit der Branche zu beschäftigen und zu zeigen, "wie die heimlichen Lohnschreiber wirklich arbeiten".
Hinweise und Anregungen aus Theorie und Praxis nebst guten und schlechten Beispielen aus der Welt der Rhetorik, kurz: Tipps für gute Reden - und das gratis - liefert der langjährige Hamburger Redenschreiber Helmut Badekow in seinem Blog "Der gute Ghost". Aktuelles Thema: der Fall Guttenberg.
November 2010
Die Süddeutsche Zeitung gedenkt einem der wenigen Berühmten seines Fachs: John F. Kennedys Redenschreiber Theodore Sorensen ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er dichtete unter anderem die berühmten Worte: "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, sondern fragt, was ihr für euer Land tun könnt."
August 2010
Zum 100. Geburtstag von Mutter Teresa sei hier an ihre Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises erinnert, in der die inzwischen umstrittene Armen-Helferin aus Albanien 1979 unmissverständlich deutlich machte: "Nach meiner Überzeugung ist der größte Zerstörer des Friedens die Abtreibung, denn sie ist ein direkter Krieg, ein direktes Töten, ein direkter Mord durch die Mutter selbst." Abtreibungen nannte sie an anderer Stelle "eine Perversion".
Trauerreden gehören zu den unangenehmen Pflichten politischer Repräsentanten. Die neue nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Hannelore Kraft meisterte ihre Aufgabe nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten nach Ansicht von stern.de und Spiegel Online tadellos - sie "war die richtige Wahl". Die TV-Aufzeichnung ihrer siebenminütigen Ansprache hält YouTube vorrätig.
Juli 2010
"Wer wichtig ist, lässt andere formulieren." Die Nürnberger Nachrichten porträtieren den Berufsstand der Redenschreiber und beklagt die mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten des Gewerbes.
Schönredner haben nach Ansicht der Süddeutschen Zeitung Hochsaison. "Eine Gesundheitsreform, die keine ist - und ein junger Mann mit Unschuldsmiene: wie FDP-Generalsekretär Christian Lindner die Beerdigung einiger Lieblingsprojekte der Liberalen positiv zu verkaufen versucht", beschreibt eine aktuelle politische Analyse.
Juni 2010
Die Süddeutsche Zeitung überschreibt ihr Doppelporträt der beiden Bewerber um das Amt des deutschen Bundespräsidenten mit "Der Sanfte und der Redner" und stellt darin Joachim Gaucks parteiübergreifend anerkannte rhetorische Qualitäten heraus.
"Professionelles Redenschreiben" heißt der bundesweit erste Zertifikatslehrgang, den die Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg fortan gemeinsam mit der Akademie für Management-Kommunikation und Redenschreiben anbietet, so eine Pressemitteilung des Bonner Presseblogs.
Was könnte, was sollte die Bundeskanzlerin sagen, wenn sie einmal eine von Anfang bis Ende ehrliche Rede über Koalitionschaos und Euro-Krise zu halten bereit wäre? Das Süddeutsche Zeitung Magazin spielt Ghostwriter für Angela Merkel und weckt Sehnsüchte bei seinen Lesern.
BR-alpha hat den VRdS-Gründer Thilo von Trotha interviewt (Erstsendung: September 2008) und liefert auf seiner Webseite das Gespräch zum Nachlesen als PDF-Dokument sowie detaillierte Informationen zum Gesprächspartner.
Nicht nur Studenten, auch Professoren schreiben ab. Mit seiner Skandalchronik "Das Wissenschaftsplagiat" bricht Volker Rieble ein Tabu - und nennt schonungslos Professorenkollegen mit vollem Namen. Im Interview mit Spiegel Online erklärt der Münchner Jurist, warum die Unis strengere Regeln gegen Textklau brauchen.
Makabrer geht's kaum: Das Satiremagazin Titanic bietet Verteidigungsminister zu Guttenberg einen automatischen Redengenerator an - für die Trauerfeiern zu Ehren von in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten.
Mai 2010
Die schlimmste Todsünde für einen Redenschreiber? Ein gelangweiltes Publikum, versteht sich. Der Wiener Standard lenkt den Blick auf die Finessen des Handwerks.
Mai 2010
"Komiker" gilt im politischen Betrieb hierzulande als Schimpfwort - in den USA präsentiert sich der Präsident gern einmal jährlich als Alleinunterhalter, und Barack Obama überzeugte die prominenten Gäste mit seiner Rede beim Korrespondenten-Dinner in Washington, wie Spiegel Online notiert. Kostprobe: "Seit seinem ersten Auftritt beim Dinner der Journalisten-Elite vor einem Jahr habe es durchaus Enttäuschungen gegeben, berichtete der Präsident. So sehr habe er auf den Nobelpreis in Physik gehofft, sagte der Friedensnobelpreisträger. 'Aber hey - man kann sie nicht alle haben!' Überhaupt sei es immer auf und ab gegangen - mit Ausnahme seiner Umfragewerte. Die Witze des Abends würden diesmal von den Investmentbankern von Goldman Sachs gesponsert, scherzte Obama. 'Machen Sie sich keine Sorgen, die machen immer Geld - egal ob man lacht oder nicht.'"
April 2010
Anlässlich der Enttarnung der Abschriftstellerin Helene Hegemann fragt die Badische Zeitung: "Wie kommt man dem Ideenklau auf die Spur?" Sie gibt sogar Antworten in Form von Webseiten und Softwarelösungen zum Aufspüren von Textplagiaten.
März 2010
"Kaum einer kann es, aber alle müssen es: Wenn deutsche Politiker Reden halten, macht sich meist Langeweile breit. Dabei gibt es mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker ein leuchtendes Vorbild für ebenso mitreißende wie auch tiefgründige Vorträge." Spiegel Online lobt hymnisch den "Polit-Rhetoriker".
Februar 2010
Spiegel Online rezensiert den Ratgeber einer US-Autorin, die eine erstaunliche Aussage wagt: "PowerPoint-Präsentationen müssen nicht langweilig sein."
Januar 2010
Ratschläge zum richtigen Umgang mit dem "Führungswerkzeug Sprache" hält die Seite managerseminare.de (kostenpflichtig) bereit – mit Tipps "hochkarätiger Experten" sowie Kurzrezensionen hilfreicher Fachbücher.
"Manchmal muss eine perfekte Rede innerhalb von zwei Tagen getextet sein." Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt realistisch den Alltag einer Ghostwriterin.
Dem wissenschaftlichen Ghostwriting und den damit zusammenhängenden juristischen Fragen widmet sich die Frankfurter Rundschau.
"Gesucht: ein neuer Willy Brandt." Dessen ehemaliger Schreiber Albrecht Müller erinnert sich bei FAZ.net der besseren Zeiten, als die politische Rede noch Gewicht hatte.
Dezember 2009
Eine gute Nachricht: "Ghostwriter-Vereinbarung nicht immer sittenwidrig" überschreibt die Anwaltskanzlei Hild & Kollegen ihren ausführlichen Kommentar zu einem einschlägigen Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main.
Den seltenen Anlass, dass Ghostwriting auf einer Theaterbühne thematisiert wird, kommentiert die Kölnische Rundschau. Es handelt sich um die Komödie "Roses Geheimnis" des US-amerikanischen Autors Neil Simon.
Der Schweizer Abiturient Tobias Käppeli wollte wissen, wie sich die Rhetorik der Bundes- von jener der Kantonsparlamentarier unterscheidet – und präsentiert der Neuen Schwyzer Zeitung zufolge "erstaunliche Resultate" (die allerdings nur in einer Kurzfassung frei zugänglich sind).
Die Wiener Presse greift noch einmal den in der New York Times erneut publizierten Vorwurf auf, "der deutsche Philosoph Martin Heidegger habe möglicherweise als Ghostwriter für Hitler Reden geschrieben", wie der französische Philosoph Emmanuel Faye im Buch "Heidegger, l'introduction du nazisme dans la philosophie" behauptete.
Warum Leser keine Anglizismen mögen? Vielleicht weil Umfragen zufolge 60 Prozent der Deutschen kein Englisch sprechen. Die Welt-Kolumne "Wortgefecht" behandelt den immer jungen Streit um Sprachimporte aus dem angelsächsischen Raum. Noch ausführlicher dazu der Spiegel in einer nun online zu lesenden Titelgeschichte aus dem Jahr von 2006 unter der Überschrift "Deutsch for sale", die so eingeleitet wird: "Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor. Auffälligstes Symptom der dramatischen Verlotterung ist die Mode, fast alles angelsächsisch "aufzupeppen"."
"Ich bin der Neger vom Neger." Der Schweizer Autor Helmut Maria-Glogger gibt in einem Interview mit dem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft persoenlich.com Auskunft über seine Tätigkeit als Ghostwriter für die Lebensgeschichte "Ich, der Neger" des männlichen Models Urs Althaus.
Englands Premier Gordon Brown lässt manche seiner Reden von Mitarbeitern der früheren US-Regierung schreiben – ein Skandal? Die Financial Times Deutschland berichtet über eine kontroverse Diskussion beiderseits des Atlantiks.
Betrug bei Abschlussarbeiten an der Uni: Eine Ghostwriterin berichtet der Münsterschen Zeitung Einzelheiten.
Suite101, "das Netzwerk der Autoren", stellt den Verband der Redenschreiber deutscher Sprache vor und staunt, dass eine zehnminütige Rede "leicht 700 Euro" koste, warnt aber auch: "Niedrige Honorare für Reden bergen die Gefahr geringer Qualität."
Führende medizinische Fachzeitschriften schließen Ghostwriting eigentlich aus, doch aktuelle Umfragen unter den Autoren belegen eine hohe Quote von Fremdautoren, wie das Ärzteblatt erstaunt zur Kenntnis nimmt. Für die betroffenen Redaktionen sei das ein "vollkommener Schock".
"Wie wird das Ghostwriting in zehn Jahren aussehen?", wagt der Contentprofi Blog einen Ausblick in die Zukunft des Gewerbes mittels eines Rückblicks auf die vergangenen Jahre, verbunden mit der Feststellung: "Grabreden sind inzwischen enorm in Mode gekommen."
"Der Wert des Schweigens wird unterschätzt", überschreibt die Süddeutsche Zeitung ihr Interview mit VRdS-Vorstandsmitglied Vazrik Bazil über die Kultur der politischen Rede in Deutschland.
Politischen Ghostwritern wendet sich Deutschlandradio Kultur im Vorfeld der Bundestagswahl zu. Inzwischen seien "die Fremddenker normaler Bestandteil des Politikbetriebs", heißt es in der Sendung, die akustisch und in Manuskriptform abrufbar ist (als mp3-Datei auch zum Download).
"Die Vergabe von Doktortiteln in Deutschland sollte stärker kontrolliert werden", empfiehlt der Tagesspiegel in einem Bericht über wissenschaftliches Ghostwriting und gekaufte Hochschulabschlüsse. jetzt.de zeigt Verständnis für die Auftraggeber: "Viele Studenten scheitern an der Abschlussarbeit, weil sie nicht rechtzeitig um Rat fragen." Der Internetblog Forschungsmafia schildert detailliert die kriminellen Hintergründe und Der Westen beklagt: "Den Doktor-Eid haben viele Universitäten voreilig abgeschafft."
Die einen ertragen ihn kaum, andere verehren ihn. Letzteren liefert der Altjournalist und Sprachexperte Wolf Schneider ("Deutsch für Profis") seine Sprachkritiken nun auch per Video-Kolumne auf sueddeutsche.de. Titel: "Speak Schneider!"
Ein amerikanisches Pharmaunternehmen bezahlte jahrelang Ghostwriter für Fachartikel. Als Autoren wurden dann bekannte Experten aufgeführt, berichtet die Basler Zeitung.
"Wir feilen stundenlang": der Dichter Michael Lentz und der Rapper Jan Delay über den ständigen Wandel unserer Sprache und die gesellschaftlichen Bedeutungen klarer Sätze in einem Gespräch mit dem SZ-Magazin. Frage an Jan Delay: "Wären Sie ohne das Reimschema nicht viel freier in Ihren Aussagen?" Antwort: "Vielleicht, aber so sind nun mal die Regeln. Man lässt ja beim Fußball auch nicht den Ball weg, damit man schneller laufen kann."
Die Sprachwissenschafterin Luise F. Pusch gilt als eine der wichtigsten Wegbereiterinnen für feministische Sprachpolitik. In einem Interview mit dieStandard.at aus Wien vertritt sie die Ansicht, die feministische Sprachkritik habe die Grammatik durchaus verändert. "Längerfristig bin ich für die Abschaffung des ´in´", sagt sie, und: "Das Maskulinum ist nicht mehr das, was es mal war."
Trotz Zeitungskrise glaubt Lionel Barber, der Chefredakteur der britischen "Financial Times", an Bezahlinhalte im Netz: "Ich sage mit Zuversicht voraus, dass fast alle Nachrichtenangebote innerhalb der nächsten zwölf Monate für Inhalte Geld verlangen werden", sagte Barber auf einer Veranstaltung in der British Academy in London. Wie Bezahlmodelle funktionieren werden und wie viel Umsatz sie generieren könnten, sei noch nicht sicher. Die komplette Rede (in englischer Sprache) ist bei Press Gazette nachzulesen.
Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Konzerns, will das "Springer-Tribunal" wieder eröffnen, das Studenten in Berlin 1968 nach seiner ersten Sitzung ergebnislos vertagt hatten. Aus diesem Anlass arbeitet Otto Köhler in der Jungen Welt detailliert die Geschichte der Berater des verstorbenen Verlegers auf und schreibt über Axel Springers engen Mitarbeiter Paul Karl Schmidt: "Nazi seit 1931, Träger des "Winkels für alte Kämpfer", hochrangiges Mitglied der SS und schließlich als Leiter des Presse- und Informationsamtes wichtigster Vertrauter von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop. Er organisierte in Konkurrenz zu Goebbels, aber nicht weniger fanatisch als der, einen eigenen Propagandaapparat und ein eigenes europaweites Verlagsreich des Auswärtigen Amtes." Im Spiegel "schrieb Schmidt (...) zeitgeschichtliche Serien, in denen er schon früh die Unschuld der Nazis am Reichstagsbrand propagierte. (...) Der braune Propagandafachmann (tauchte) dann unter dem neuen Namen Paul Carell als Serienautor der Springer-Illustrierten Kristall auf. Er beschrieb den unentwegt ehrenhaften Kampf des deutschen Landsers gegen Rußland. Aus den Illustriertenserien entstanden Bücher des springereigenen Ullstein-Verlags in Millionenauflage, die das Bild der Deutschen von einer sauberen Wehrmacht bestimmten. Zuletzt war dieser hocherfahrene Fachmann Redenschreiber und persönlicher Sicherheitsbeauftragter des Verlagsherrn. (...) Die Reden, die Carell-Schmidt entwarf, übernahm Springer oft unverändert. (...) Auch die Redepassage, die dazu auffordert, zwecks "deutscher Wiedergeburt in voller Freiheit" die "Aussöhnung mit den Juden und die Hilfe für Israel als Teil der richtig verstandenen eigenen Politik zu begreifen", hat Schmidt für Springer formuliert. Eben der fanatische Antisemit Paul Karl Schmidt, der 1944 zur Vorbereitung des Abtransports der Budapester Juden nach Auschwitz im Auswärtigen Amt vorschlug, man möge doch "Sprengstoffunde in jüdischen Vereinshäusern und Synagogen" arrangieren, damit das Geschrei im neutralen Ausland nicht so groß sei."
Es komme "nicht häufig vor in der Geschichte der Bundesrepublik, dass der Redenschreiber und Regierungssprecher eines SPD-Kanzlers anschließend als Regierungssprecher eines CDU-Kanzlers fungiert hätte. Und zwar zu beider Zufriedenheit. Doch die Große Koalition hat genau dies 2005 möglich gemacht", schreibt stern.de über Angela Merkels Sprecher Thomas Steg. Der wechselt nun erneut das Lager – und heuert mitten im Bundestagswahlkampf als Berater ihres Herausforderers Frank-Walter Steinmeier an.
"Sind Sie ein Ghostwriter?", fragt das Medium Magazin mittels einer Checkliste alle, die herausfinden wollen, "ob diese Tätigkeit zum eigenen journalistischen Profil passt".
Am 13. September richten ARD, ZDF, RTL und Sat.1 ein Streitgespräch zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier aus, das parallel von allen vier Sendern übertragen wird. Die Süddeutsche Zeitung stellt Überlegungen zum Sinn und Unsinn politischer TV-Debatten an und gibt zu bedenken, man könne "ein Duell für überflüssig halten, in dem sich zwei Politiker beschimpfen, die vier Jahre gemeinsam regiert haben."
Der selbst gegebenen Geschäftsordnung widersprechend, wird seit Langem im Bundestag nicht frei geredet, sondern vielfach vom Blatt abgelesen. Doch selbst das ist jetzt nicht mehr nötig: Neue Tagungsvorschriften erlauben, dass Reden ungehalten zu Protokoll gegeben werden und damit Diskussion und Öffentlichkeit entfallen. "So erledigt der Deutsche Bundestag Gesetze – und sich selbst", empört sich die Süddeutsche Zeitung. Damit erweise sich "das Parlament als Farce".
Wie eine Politikerrede an die Jugend auch klingen kann, macht NDR 2 in der Reihe "Münte" vor. Leider handelt es sich nur um eine Parodie.
Juni 2009
In der Zeit erstmals veröffentlicht: die Grabrede, die Paul Levi, Anwalt und Geliebter Rosa Luxemburgs, zu ihrer Beerdigung am 13. Juni 1919 hielt – eine flammende Durchhalteparole für die sozialistische Idee.
Die überraschend positiven Reaktionen auf den Parteitagsauftritt des SPD-Kanzlerkandidaten waren laut stern.de seiner "ungewöhnlich guten und mitreißenden Rede Frank-Walter Steinmeiers zu verdanken. Sie war so kunstvoll gespickt mit rhetorischen Kniffen, zitierbaren Sätzen und innerparteilichen Freundschaftsgesten, dass der Eindruck entstand, er habe seine Medienberater und Redenschreiber komplett ausgewechselt". Eine laut RP-Online "kämpferische, zutiefst sozialdemokratische Rede", "von der alle Sozialdemokraten danach von links bis rechts sagen werden, dass sie sehr gut bis „fulminant“ war", wie tagesschau.de befindet. Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte: Auf der Homepage der SPD findet sich der Wortlaut nebst Videomitschnitt. Die Financial Times Deutschland porträtiert Steinmeiers Beraterstab, darunter seine Redenschreiber Stephan Steinlein und Ulrich Deupmann.
"Klassischerweise erfüllt eine gute Rede sieben Kriterien: Sie ist erstens interessant und informativ; zweitens klar und verständlich – das heißt, weg von den Phrasen. Außerdem ist sie persönlich und publikumsorientiert sowie viertens glaubwürdig und wahrhaftig. Es gibt schon zu viele „Katastrophen“, zu viele „Gipfeltreffen“, zu viel „Einmaliges“ und „Alternativenloses“. Fünftens: Sie ist bildhaft. Zudem lebhaft und abwechslungsreich – nicht ein Faktum nach dem anderen. Und siebtens ist sie humorvoll. Den letzten Punkt zu missachten ist die Todsünde vieler deutscher Redner." – Die VRdS-Präsidentin Minita von Gagern im Interview mit der Wirtschaftswoche.
Eine abweichende Meinung zu Barack Obamas Rednerqualitäten vertritt der Kommentator der Deutschen Welle: Er diagnostiziert nach dessen Auftritt in Kairo trocken "inhaltsarme Lyrik".
Die viel beachteten Auslandsreisen des US-Präsidenten werfen auch ein Schlaglicht auf seine Reden und deren Schreiber. Bei stern.de äußert sich der im Vergleich mit seinem vorgesetzten Kollegen Jon Favreau, 27, weniger bekannte, für die Außenpolitik zuständige Obama-Ghostwriter Ben Rhodes, 31, über Chef und Job; auch bild.de porträtiert Rhodes.
Das Wirtschaftsmagazin impulse gibt Tipps im Umgang mit Alkohol – beispielsweise wie man beschwipst eine Rede hält.
Wie steht es um die deutsche Sprache? Diese Frage interessiert nicht nur die Wissenschaft. Die Deutsche Welle berichtet über eine Umfrage, wie die Deutschen über das Deutsch denken.
Mai 2009
Der Ghostwriter schreibt – und der Kunde überlegt es sich anders. Welches Honorar ist trotzdem fällig? Gilt ein Schreibauftrag als "Werkvertrag", analog zu Handwerksarbeiten? Die Anwaltskanzlei Sawal informiert über jüngste Gerichtsentscheidungen.
April 2009
Die Online-Zeitschrift für Rhetorik und Wissenstransfer berichtet von den Ergebnissen einer Fachtagung u.a. zum Thema "Rhetorik in der Wirtschaft" und zitiert zwei Vortragende mit der Feststellung, zur Grundausstattung der in der Wirtschaft Erfolgreichen gehöre neben den unternehmerischen Qualifikationen vor allem die Kommunikationsfähigkeit.
Das musste ja so kommen: Über den Internet-Kurznachrichtendienst "Twitter" versorgen immer mehr Prominente ihre Fans mit Neuigkeiten – und nutzen dabei längst die Dienste von Ghostwritern, wie der Wiener Standard berichtet.
März 2009
Obama für Anfänger? Der Deutschlandfunk stellt eine Radioreportage über ein Rhetorikseminar für Politiker als Podcast sowie als direkten Download ins Netz.
Das Autoren-Portal Carta kritisiert die politische Rhetorik von Angela Merkel und Frank Steinmeier als Symptom grundsätzlicher Unfähigkeit: "Die Spitzenkandidaten finden keine klare und lebendige Sprache. Doch wer nicht leidenschaftlich redet, dem fehlt es am wichtigsten Mittel zur politischen Führung überhaupt. In der Krise ist dies ein schwer erträgliches Vakuum."
Februar 2009
Der Medienfachverlag Rommerskirchen suchte im Rahmen eines Wettbewerbs erstmals "Deutschlands besten Redenschreiber" – nun steht der Sieger fest: Der 37-Jährige Christoph Braner setzte sich gegen 135 Wettbewerber durch und gewann den mit 4000 Euro dotierten journalist-challenge 2008.
"Reden für eine neue Welt" hat der Berliner Redenschreiber und Rhetorikexperte, VRdS-Mitglied Hans Hütt, sein Rhetorik-Blog genannt. Ein Hauptthema: der unterhaltsame Vergleich der politischen Rede hier zu Lande mit der Redekunst, die uns derzeit in den USA begegnet.
Über den Prozess gegen einen windigen Promotionsberater berichtet Spiegel Online. Dessen Firma in Bergisch Gladbach half gegen Bares beim Wunsch nach einem akademischen Titel nach – angeblich "kein Titelhandel, kein Ghostwriting", dafür laut Anklage Bestechung.
Zum neuen regelmäßigen Auftritt des Papsts auf YouTube interviewt die Welt Eberhard von Gemmingen, Leiter von Radio Vatikan. Sein Rat: "Du kannst bei „Urbi et Orbi“ zweimal im Jahr über 100 Millionen Menschen ansprechen. Das sind ungeheure Chancen – die leider immer wieder leichtfertig verspielt werden, weil die Ansprachen einfach zu anspruchsvoll sind, zu hoch, zu fromm, nein, das nicht, aber zu anspruchsvoll. Sag\' es so, dass es die Leute gleich verstehen. Yes, we can! Und der Papst sowieso. Er kann und soll natürlich nicht so reden und sein wie Barack Obama. Aber nichts hindert ihn daran, sich Redenschreiber zu nehmen, die ihm seine Texte etwas herunterbrechen und gewisse Dinge wiederholen, dass sie sich besser einprägen. Das sollte er übernehmen. Nicht, dass er seine Texte liberalisieren oder gar – Gott behüte – verfälschen oder verdummen lassen sollte. Doch was er heute sagt – der doch selbst ein so faszinierend großer freier Redner ist – ist immer nur ein geschriebener Text, der ganz anders strukturiert ist als eine freie Rede. Das müsste und dürfte nicht sein."
Januar 2009
Der Faszination des US-Präsidenten erliegt der Autor der World Socialist Web Site nicht: "Seichte Plattitüden und der Ruf nach Sparpolitik" ist sein Beitrag überschrieben. "Nach Obamas Einschätzung trägt überhaupt niemand besondere Verantwortung für die tiefste Finanzkrise in der Geschichte des amerikanischen Kapitalismus. (...) Sein Verschweigen der Ursachen verrät ein erstaunliches Maß an Verachtung und Arroganz jenen gegenüber, die ihn unterstützen."
Der Amtsantritt Barack Obamas ist das politische Ereignis des Monats. Der Standard und das St. Galler Tagblatt widmen seinem Redenschreiber Jon Favreau Kurzporträts, die FAZ beleuchtet die Tradition der Inaugurations-Ansprache, Reuters erkennt "große Erwartungen an Obamas Antrittsrede". YouTube hält gleich mehrere Videomitschnitte vorrätig, Spiegel Online bringt den englischen Originaltext zum Nachlesen. Ebenfalls auf YouTube: eine witzige Parodie des SWR auf Obamas Berliner Rede 2008 an der Siegessäule – auf schwäbisch.
"Geschöpflichkeit" und andere Verrenkungen: Zum neuen Jahr empört sich der Stildozent Wolf Schneider in der Süddeutschen Zeitung über die Sprache von Weihnachtspredigten: "Die Bibel liest sich besser als die meisten Texte derer, die sie von Amts wegen auslegen." Und: "Mit aktuellen Themen konnte manche Weihnachtsbotschaft die Hörer vielleicht noch erreichen – mit der Sprache leider nicht."
"Jede Verhunzung des Deutschen tut mir weh." Gegenüber der Weltwoche führt Wolf Schneider Klage über den Verfall der öffentlichen Ausdrucksweise "im Sog von 1968".
Dezember 2008
Die Kür zum "Unwort des Jahres" steht wieder an. Der Welt gibt der Initiator der jährlichen Aktion, der Frankfurter Philologe Horst Dieter Schlosser, ein Interview über die Absicht dahinter.
Die nächste Feier kommt bestimmt: Das Hamburger Abendblatt erteilt Laien Ratschläge, wie sie ihre Zuhörer mit Worten begeistern können.
Wer hätte das gedacht? "Manager haben keine Lust mehr auf Englisch", hat die Welt beobachtet. "Die Managerriege, die in "Meetings" gerne "Sheets" verteilte, um das "Brainstorming" zu erleichtern, verabschiedet sich langsam von der englischen Sprache. Experten sprechen von einer regelrechten Verdrossenheit gegenüber der Anglisierung", heißt es in einer ausführlichen Würdigung des neuen Trends.
Besinnliches zum Jahresende: In Cicero macht sich Jürgen Busche Gedanken um die Frage "Stirbt die deutsche Sprache?".
November 2008
Das Internet-Lesermagazin Newbook bringt einen interessanten Hinweis: Die neue Webseite genderanalyzer.com behauptet, per empirischer Sprachanalyse herausfinden zu können, ob ein Online-Text von einem Mann oder einer Frau verfasst wurde – bislang nur in englischer Sprache, dafür aber mit verblüffenden Ergebnissen.
Politiker sollten Ihre Reden selbst schreiben, findet der Filmregisseur Volker Schlöndorff. In der Zeitschrift Cicero hält er ein Plädoyer gegen Plattitüden und für Authentizität. Als Negativbeispiel nennt Schlöndorff die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Jubiläumsfeier "10 Jahre Kulturstaatsminister" in Berlin: "Wäre es nicht angemessener, die Kanzlerin sagte frei, mit ihren eigenen Worten – wie sie es so wunderbar kann – ein paar Sätze zu ihrem Verständnis von Kultur und Wissenschaft, zum letzten guten Gespräch, das sie hatte, zu einem Buch, das sie gelesen, zu einer Musik, die sie gehört hat?" Zur Frage, wann Politiker bei nicht selten einem halben Dutzend und mehr täglichen Redeterminen ihre Manuskripte recherchieren und verfassen sollen, äußert sich Schlöndorff nicht.
Nach dem historischen Wahlsieg eines schwarzen Präsidentschaftskandidaten in den USA dokumentiert Spiegel Online Barack Obamas Dankesrede im Wortlaut sowie in deutscher Übersetzung.
Brillanz? Von wegen. "Der Teleprompter ermöglicht die Illusion der freien Rede", überschreibt die Süddeutsche Zeitung ihren ernüchternden Bericht über die keineswegs immer meisterhaften Vortragsleistungen von US-Politikern und deutschen Fernsehschaffenden. Die werden hier schlicht als "Ableser" betitelt.
Oktober 2008
"Die Reden sind sein wichtigstes Talent", befindet die Süddeutsche Zeitung über den schwarzen US-Präsidentschaftskandidaten in einer Würdigung seines charismatischen Auftretens – und der Vorteile, die es mit sich bringt. "Die Begeisterung über seine Worte setzt er in Geld um."
FAZ.net beginnt ein Künstlerporträt so: "Vor acht Jahren wurde der Berliner Künstler Christian Jankowski zusammen mit drei anderen für den "Preis der Freunde der Nationalgalerie" nominiert, für ein seltsames, aus der Zeit gefallenes Ritual: Vier Künstler sollen da gegeneinander antreten, als seien sie Olympiasportler und die Ästhetik ein Schwimmbecken. Der 1968 geborene Jankowski reichte daraufhin eine Arbeit ein, die eine surreale Poesie und Schönheit hatte und sich gleichzeitig über die Institution, in der sie zum Wettstreit antreten sollte, so krachend lustig machte, dass die Veranstalter eigentlich im sandigen Boden unter ihrem Museum hätten versinken müssen. Jankowski hatte vier professionelle Redenschreiber – Menschen, die unter anderem bei Beerdigungen sprechen – beauftragt, auf jeden der Wettbewerber eine Laudatio zu halten. Mit einem heiligen Ernst hatten diese Laudatoren alle greifbaren Floskeln des Sprechens über Kunst zusammengeschraubt und bewiesen, warum nur ihr Kandidat der wahre sei – und das eigentlich Erstaunliche war, dass man nicht über die unbeholfenen, kunstfernen Lobredner lachte, sondern über die absurde Situation des "Künstlerwettstreits", über die verbogene Sprache des Kunstbetriebs, die Kläglichkeit des Preises. Natürlich bekam Jankowski den Preis nicht."
"Heißes Herz und klare Kante" bescheinigt die taz dem neuen alten SPD-Chef Franz Müntefering. Die Beschreibung seiner Reden zitiert auch die VRdS-Präsidentin Minita von Gagern: Sie seien "im besten Sinne schlicht".
Das Berliner Internet-Magazin [030] widmet sich in einer Reportage dem beliebten Thema des wissenschaftlichen Betrugs. "Immer mehr deutsche Studenten setzen bei Hausarbeiten und Essays auf Copy/Paste und Ghostwriter."
Rolf Schneider stellt im Deutschlandradio Kultur über das "Debattenfeuilleton" und über die Konjunktur der Sprachkritik Überlegungen an. Letztere ist seiner Ansicht nach nicht nur hierzulande von Pessimismus geprägt: "In Frankreich wehrt man sich gegen Einflüsse des Angelsächsischen wie in Deutschland. Selbst der böse linguistische Bube, das Englische, muss sich wehren, nämlich gegen Einflüsse des Amerikanischen, wo man seinerseits gegen Einflüsse des Spanischen kämpft."
Telepolis befasst sich am Beispiel des Themas Bürgerrechte in einer inhaltlichen Analyse mit politischer Rhetorik: "Wolfgang Schäuble gilt als eloquenter Redner, manche halten ihn gar für einen Intellektuellen. Selbst Gegner Schäubles zollen ihm als politischem Schwergewicht Respekt. In der Tat gelingt es dem Bundesinnenminister durchaus, mit geschliffenen Worten den Eindruck zu erwecken, seine Politik sei das Ergebnis langer und reiflicher Überlegung. Doch wer genau hinschaut, erkennt, dass Schäuble vor allem so tut, als würde er argumentieren."
September 2008
"Er referiert seinen Text ohne Humor, ohne einen Ansatz von Selbstironie, die ihn früher auszeichnete. Das Lächeln erlischt ihm zweimal in über 50 Minuten so rasch, dass es zur Grimasse missrät." Was dessen rednerischen Qualitäten angeht, geht die Welt mit US-Präsidentschaftskandidat John McCain in ihrer Analyse hart ins Gericht. Auch die Basler Zeitung fällt ein vernichtendes Urteil: "stellenweise monoton".
Die Welt am Sonntag stellt Betrachtungen zur "hohen Kunst des Politik-Buchs" an – am Beispiel der angekündigten Bilanz des Ex-SPD-Chefs Kurt Beck.
August 2008
"Welche Reden haben Sie besonders beeindruckt? Wie groß ist der Einfluss der Rhetorik auf Menschen und Kulturen heute? Diskutieren Sie mit!" – Die Zeit Online eröffnet ein Forum zur Frage "Können Reden die Welt verändern?"
Kann es nur einen geben? In einer ZDF-Talkshow trafen die Stilpäpste Wolf Schneider und Bastian Sick aufeinander, was die Welt zu süffisanten Bemerkungen inspiriert.
Das Handelsblatt gibt Tipps fürs Redenschreiben. Der wichtigste zuerst: "Fassen Sie sich kurz!"
Barack Obamas "Ghost" und dessen jugendliches Alter faszinieren nun auch Focus Online. Das Porträt des ehemaligen Praktikanten von John Kerry erhellt, wie Jon Favreau zu seiner Position als wichtiger Politik-Berater kam, "obwohl ich darin gar keine Erfahrung hatte".
Juli 2008
Barack Obama hat gesprochen. Spiegel Online dokumentiert sein englisches Manuskript im Wortlaut.
Barack Obamas bevorstehende Berliner Rede bewegt weiter die Gemüter. Der Tagesspiegel verrät in einem neuerlichen Porträt die Erkenntnis seines Redenschreibers Jon Favreau: Das Geheimnis von Obamas Erfolg liege nicht in genialen Sätzen.
Der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama wird bald Berlin besuchen. Wo wird er sprechen? Was wird er sagen? Mitten hinein in die wachsende Aufregung um den Termin zitiert der Tagesspiegel ironisch sein Heimatblatt "Chicago Sun-Times" mit dem Vorschlag: "Ich bin ein Obama!"
Juni 2008
Die Welt stellt Betrachtungen über die Macht des Liebesbriefs an und die Kunst, einen solchen zu verfassen. Oder verfassen zu lassen, denn "schon seit Langem boomt das Geschäft der Ghostwriter, die helfen, in einem Liebesbrief die richtigen Worte zu finden".
Kritik an Bastian Sick: Jan Georg Schneider vom Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft (ISK) an der RWTH Aachen geht mit dem populären "Sprachpfleger" und Bestsellerautor hart ins Gericht und wirft ihm unter anderem das Ignorieren der natürlichen Sprachveränderungen vor, diffuse Qualitätsbegriffe und Ideologie, die fehlende begriffliche Trennschärfe ersetzt. Schneiders Beitrag "Was ist ein sprachlicher Fehler? Anmerkungen zu populärer Sprachkritik am Beispiel der Kolumnensammlung von Bastian Sick" aus der Zeitschrift "Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur" ist in PDF-Form als Download verfügbar.
"Viele Russen lassen sich ihre Arbeiten schreiben", so ein Deutschlandfunk-Bericht zum Thema wissenschaftliches Ghostwriting in Russland, das dort so illegal ist wie hierzulande. Nebeneffekt: "Arme Studenten und Lehrer bekommen die Möglichkeit, Geld dazuzuverdienen."
"Viel Folie um nichts"? Die Süddeutsche Zeitung sorgt sich um die Vortragskultur und gibt in einem hilfreichen Beitrag zum Thema Power-Point-Präsentationen Tipps für eine erfolgreiche Präsentation.
Zeit Online: "Manchmal sehen die Jüngeren älter aus als die Alten", stellt "hagego" in einem Leser-Kommentar fest. Und fragt: "Warum fällt geradezu auf, dass uns Hildegard Hamm-Brücher, Helmut Schmidt, Heiner Geißler, Norbert Blüm mehr zu sagen haben als noch aktive Politiker?"
"Kurt Beck ist der Albtraum seiner Redenschreiber. Ihre Reden hält er nie, ihre Ideen nutzt er selten. Wenn Beck ablese, sei das eine Katastrophe, erklären Vertraute seine Missachtung der Schreiberkunst. Jedenfalls weiß Beck die artikulierte Rede, die rhetorische Figuren nutzt und Spannungsbögen aufbaut, nicht zu schätzen." – Die FAZ widmet eine Art Rezension der Rede, die der SPD-Vorsitzende auf dem Konvent seiner Partei hielt.
Mai 2008
Am liebsten würde er Autobiografien verfassen, stattdessen schreibt er Doktorarbeiten – die Berliner Zeitung beschreibt in einem Porträt einen ihrer Inserenten als einen Menschen, der ein guter Geisterschreiber sein, aber nicht betrügen will.
Unternehmenskommunikation und wie sie schiefgehen kann: Der finnische Handyhersteller Nokia sei bei der Ankündigung, dass 2300 Stellen in Deutschland gestrichen werden, "naiv" gewesen, räumt dessen Personalvorstand gegenüber der Financial Times Deutschland in einem Interview zur darauf folgenden Imagekatastrophe für das Unternehmen ein. Der "ehrliche Ansatz" werde aber beibehalten.
Die FAZ und die "Schwarz"arbeit: "In diesem Frühjahr haben gleich drei "Neger", wie man Ghostwriter in Frankreich nennt, Bücher über ihr freiwilliges Sklaventum veröffentlicht" – ein "schwerer Schock für die Republik des Geistes". Die Redaktion gibt einen Überblick über die Skandalveröffentlichungen.